Konzept

Mit der Qualifizierung Jugendlicher zu Dorfraum-Pionieren beteiligt sich die Evangelische Jugend der Pfalz an der Entwicklung des ländlichen Raums

Immer weniger Jugendliche interessieren sich in den letzten Jahren für ihren unmittelbaren Lebensraum Dorf. Das hat mehrere Ursachen: die Ganztagsschule lässt immer weniger Zeit für das Dorf übrig, das dauernde Unterwegssein frisst viel freie Zeit und die Kommunikation mittels Sozialer Netzwerke hat im Alltag häufig die
direkten Kontakte untereinander ersetzt. Fazit: Das Dorf verliert bei den Jugendlichen an Boden, d.h. für immer mehr Jugendliche wird nicht nur die im Dorf verbrachte Zeit immer kürzer, sondern das Dorf verliert als unmittelbarer Lebensmittelpunkt an Bedeutung. Das „ständige Unterwegs- und niemals zu Hause sein“ lässt das Dorf und die Dorfwahrnehmung immer unschärfer werden. Der unmittelbare Ort gerät aus dem Blick und damit allmählich auch aus dem Sinn. Dies hat massive Folgen, denn ein Ort, der nicht mehr richtig erlebt wird, verliert seine Bedeutsamkeit im Alltagsleben.
Im Rahmen der LEADER-Programmförderung hat das Landesjugendpfarramt und die Zentralstellen in den Kirchenbezirken bis Mai 2015 in fünf Dörfern der LEADER-Region Donnersberger und Lautrer Land Jugendliche zu Dorfraum-Pionieren ausgebildet. Die Maßnahme ist die Weiterentwicklung von Dorf- Leben und hat zum Grundgedanken, dass Jugendliche das eigene Dorf als selbst-gestaltbaren Sozialraum erleben. Über die Selbstaneignung des Dorflebens finden Jugendliche zurück in und zu ihrem Dorf und lernen es nun als einen Raum für eigene Möglichkeiten erkennen. So entsteht eine neue Ortsidentität, die dafür entscheidend sein kann, ob Jugendliche in ihrem Dorf eine Zukunft sehen und ob sie auch bei einer ausbildungs- oder
studienbedingten Abwanderung wieder zurückkehren wollen. Das „selbst-entdeckte“ Dorf bleibt ein wichtiges Motiv bei dieser „Lebensentscheidung“.
Die Maßnahme ist ein ständiger Dialog zwischen den Einwohnern und den „Dorfraum-Pionieren (in Ausbildung)“, was zum Nachdenken motiviert und gute Ideen zur Umsetzung hervorbringt. Mit der Umsetzung wurden zwei Projektbüros beauftragt (Pro-Provincia und das Institut für Professionalisierung und Qualifizierung pädagogischer Praxis [IPQ]).
Als Abschluss bekommen die Dorfraum-Pioniere ein Zertifikat und das Dorf Ideen zur Weiterarbeit. In diesem Zusammenhang können sich auch Personen aus dem Dorf als lokale Projektbetreuer/innen beim Veranstalter bewerben, die dann die Weiterarbeit vor Ort mit den Jugendlichen unterstützen.

Die Qualifizierung der Dorfraumpioniere ist die konsequente Weiterführung der Kampagne Evangelische Jugend vor Ort. In einem ersten Schritt wurden die Mitarbeitenden der Zentralstellen in den Kirchenbezirken zu pädagogischen Beraterinnen und Beratern geschult. Gemeinsam mit den Dorfraum-Pionieren kann so das Dorf und die Kirchengemeinde vor Ort unter die Lupe genommen werden mit dem Ziel, kinder- und jugendfreundliche Gemeinden zu realisieren.